Der DJ und die FAZ.

Eine Enthüllungsgeschichte von Johannes.

N.W. ist eine Schlüsselfigur an der Uni Freiburg, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man das KG I durch den Philosopheneingang betritt, findet man links sein Büro, wo er mehr als 30.000 Schlüssel von Universitätsräumen verwaltet. W. ist das, was man ein Unikum nennt. Jeder, der einmal bei ihm war, kann über ihn eine Geschichte erzählen, die meisten haben mit seiner nebenamtlichen Tätigkeit als DJ zu tun. W. sorgt im berüchtigten Umkircher Heuboden und auf diversen Festen des Breisgaus  für Partymusik.

Das alles wäre allein schon einen Blogeintrag wert, doch brisant wird dieses anekdotische Wissen, weil in der gestrigen FAZ ein anonym veröffentlichter „Bericht aus dem Innenleben der Exzellenz“ veröffentlicht wurde, in dem beschrieben wird, durch welch kafkaeske Unibürokratie sich eine Forschergruppe schlagen musste, die ein vom Wissenschaftsministerium gefördertes Drittmittelprojekt eingeworben hatte (Der Artikel ist leider nicht online, aber über das FAZ-Archiv, das über die UB-Datenbanken zugänglich ist, kann er eingesehen werden). In diesem Bericht wird auch geschildert, wie sich die zukünftige Verwaltungskraft des Projekts um einen Schlüssel kümmert … aber lest selbst:

Sie verbringt eine Stunde bei Herrn E, erhält neben dem Schlüssel eine Einladung zu einer Ü-30-Party, bei der Herr E als DJ mitwirkt (sie ist Jahrgang 1982, aber das macht nichts, die Damen dürfen ruhig ein bisschen jünger sein), sowie einen Katalog mit Aloe-Vera-Produkten, die Herr E freizeitmäßig vertreibt.

Ein leichtes also die im anonymen (!) Artikel wenig schmeichelhafte Uni als die Uni Freiburg zu identifizieren. Man könnte nun natürlich noch weiter forschen, wer die im Artikel geschilderten Personen sind: Frau A beispielsweise, zuständig für Zusatzausstattung; Herr B, zuständig u.a. für die Abrechnung von Fernmeldegebühren.

Es ließe sich ein echtes „Schlüsselverzeichnis“ (welch‘ Ironie!) anlegen, wie es zu den Buddenbrooks in Lübeck kursierte. Am interessantesten wäre wohl, herauszufinden, wer Herr J ist – im Artikel beschrieben als „einer der höchsten Zuständigen für Forschung“ und „in einer Doppelfunktion […] Mitglied der Institutsleitung“ des genannten Forschungsprojekts. Herr J. kommt im Artikel wenig schmeichelhaft weg, erratisch und eher unzuverlässig. Ich habe da so meine (berechtigten) Vermutungen, vielleicht so viel: Historiker ist er keiner, aber mutmaßt selbst!

Eines ist sicher, die Uni wird nicht glücklich über diesen Artikel gewesen sein. Oder weiß sie vielleicht gar nicht, dass sie gemeint ist? Denn ob die hohen Herren [und wenigen Damen] vom Rektorat schon mal einen Schlüssel abgeholt haben und somit Bekanntschaft mit der Vielseitigkeit ihres Mitarbeiters gemacht haben, bezweifle ich …

UPDATE: Der Artikel wurde anonymisiert. Wir möchten nicht, dass N.W. durch diesen Artikel Nachteile entstehen, noch dass dieser Artikel auftaucht, wenn man ihn googlet.

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3 thoughts on “Der DJ und die FAZ.

  1. Zwei Nachträge:

    Liebe Uni, falls Ihr N. W. jetzt zum Sündenbock macht, hättet ihr den ganzen Artikel nicht verstanden. Es mangelt demnach vor allem an Koordination, einzelne Mitarbeiter, so wie die im Artikel genannten Damen und Herren A-H jetzt verantwortlich zu machen, wäre falsch, macht einen runden Tisch, überlegt wie ihr dies und das besser machen kann und kümmert Euch um andere Dinge als nur die Exzellenz.

    Liebe anonyme Verfasser des Artikels. Wir haben jetzt vielleicht öffentlich gemacht, dass mit dem Artikel die Uni Freiburg gemeint ist, aber das haben sehr sehr viele in Freiburg verstanden. Es bleibt nur zu hoffen, dass ihr die Kritik eben so offen nach Innen, wie nach Außen kommuniziert habt.

  2. Pingback: blog.konstantin-goerlich.de » Investigativ enthüllt: Der DJ und die FAZ.

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